"Die Seele wird vom Pflastertreten krumm. Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden und tauscht bei ihnen seine Seele um. Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.“ (Erich Kästner)

 

    Sich mit der Natur verabreden

 

Die Möglichkeit „die Natur zu treffen“ haben wir auch während einer Einzeltherapie Sitzung oder Beratung ; ein Ritual… eine Meditation oder ein Gespräch im Wald ist eine weitere Möglichkeit, sich selbst und seinen Themen zu begegnen. Wir können die Elemente Raum, Wasser, Feuer, Wasser und Luft hautnah erleben und uns mit ihnen verbinden. Wichtig ist, dass wir dieses bewusst tun und die Verbindung aktiv eingehen. An dieser Stelle kann ich sie begleiten mit sich selbst und der Natur wieder in Kontakt zu kommen und eine Beziehung „der ursprünglichen Art“ einzugehen.

 

Artikel und Studien zum Waldbaden:

„Shinrin Yoku“ oder auf Deutsch das sogenannte „Waldbaden“ ist die Beschreibung dafür, mit dem Wald eins zu werden und sich mit seiner Atmosphäre zu verbinden. In Japan wurden im Jahr 2009 in 24 Wäldern Studien durchgeführt, welche belegen, dass 20 Minuten Aufenthalt im Wald zu einer deutlichen Entspannung führt. „Senkung der Cortisol Werte, der Pulsfrequenz, des Blutdrucks sowie der Sympathikus-Aktivität, während die Aktivität unseres parasympathischen Systems zunimmt.“ (Quelle: https://www.pravda-tv.com/2015/01/waldbaden-in-japan-ist-das-baeume-umarmen-eine-wissenschaft/#uppDoUd47A91v8p5.99)

 Prof.Dr.Qing Li von der Nippon Medical School in Tokio ist führend auf dem Gebiet der Waldstudien. Weitere Informationen zu diesem Thema finden sich unter http://www.hphpcentral.com/article/forest-bathing.

 

 

Gehen fördert Kreativität und Achtsamkeit

 

"Wer geht, löst seine Fantasie aus und lässt das Denken "von der Kette los", brachte es der renommierte deutsche Gestalter Otl Aicher auf den Punkt. Das Gehen verbessert die Hirndurchblutung, setzt das Denken in Gang und lässt neue Verknüpfungen und Kreativität entstehen. Das erklärt sich so: Kreativität wird generell durch einen Perspektivenwechsel angeregt, durch einen neuen Blick auf die Dinge. Beim Gehen ändert sich ständig unser Blickwinkel, was unsere Wahrnehmung für Düfte, Geräusche und Farben schärft, unsere emotionalen Zentren im Hirn anspringen lässt und unsere Gedanken in Fluss bringt. Für Hirnforscher Gerald Hüther ist " das Gehirn eine Baustelle" und Begeisterung (z.B. an der Natur) "Dünger fürs Hirn". Denn mit ihr werden Botenstoffe wie Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin freigesetzt, die eine Veränderung im Denken, Fühlen und Handeln bewirken und zu neuen neuronalen Vernetzungen führen."

"Nichts eignet sich besser zum Meditieren als Gehen. Betrachten Sie auftauchende Gedanken und Emotionen, aber werten Sie sie nicht "Wir haben dabei nicht die Absicht einen bestimmten Ort in einer bestimmten Zeitspanne erreichen zu wollen. Zweck der Gehmeditation ist die Meditation selbst, denn Gehmeditation ist kein Mittel, es ist das Ziel selbst" erklärt der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh. Entscheidend ist das Gehen, nicht das Ankommen. Die einfachste Form besteht darin, jeden Schritt so bewusst wie möglich wahrzunehmen. In der Gehmeditation sind wir mit jedem Schritt im Jetzt. Gehen und meditieren kann man in jeder Pause und fast überall, auch in geschlossenen Räumen. Gelingt es uns dann noch, unsere Schritte mit unserem Atem in Einklang zu bringen, gelangen wir mit etwas Übung in einen Zustand tiefer Entspannung. Jeder Mensch hat dabei seinen eigenen Atemrhythmus. Häufig sind es zwei Schritte beim Einatmen und drei beim Ausatmen. Je mehr Sie sich auf Ihre Atemzüge und Ihr Mantra konzentrieren, desto weniger halten Sie sich in Ihrer Gedankenwelt auf. Das klärt den Geist und macht Sie wacher. Keiner hat das besser erfahren als Hape Kerkeling auf seiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg: " Dieser Weg nimmt dir alle Kraft und gibt sie dir dreifach wieder zurück", schreibt er in seinem Bestseller : " Ich bin dann mal weg."

( Quelle: Zitiert aus "Mein schönes Land Apotheke"/ Ausgabe 3/2017, S.107)

 

Der Biophilia Effekt

 

"Wiener Zeitung": Die Auswirkungen des Waldes auf den Menschen werden seit Jahrzehnten wissenschaftlich erforscht. In Ihrem aktuellen Buch "Der Biophilia-Effekt - Heilung aus dem Wald" beschreiben Sie einen hierzulande bisher eher unbekannten Ansatz. Was genau ist unter diesem Effekt zu verstehen?

 

Clemens Arvay: Der Biophilia-Effekt ist die gesundheitsfördernde und heilsame Wirkung, welche die Natur auf uns Menschen hat. Dabei geht es nicht um natürliche Arzneimittel, sondern um den Kontakt zur Natur und den Aufenthalt in Wäldern oder auf Wiesen. Der Begriff "Biophilia" stammt von dem bekannten Psychoanalytiker Erich Fromm: Er ging davon aus, dass die Hingabe zur Natur in jedem Menschen angelegt ist. Der Evolutionsbiologe Edward Wilson wiederum hat den Begriff in die Naturwissenschaften eingeführt, indem er von einer genetischen Veranlagung des Menschen spricht, mit anderen Lebewesen in Kontakt zu treten. Also, dass aus unserer Menschheitsgeschichte diese Neigung kommt, uns mit der Natur, mit anderen Lebewesen zu verbinden.

Wenngleich die Frage, ob Natur oder Umwelt das Wesen des Menschen bestimmt, bis heute die Wissenschaft scheidet.

Es gibt weder den Menschen nur als reines Naturwesen, bei dem alles genetisch veranlagt ist, noch ist der Mensch nur gesellschaftlich konstruiert. Der Mensch ist eben eine interessante Mischung. Das Faszinierende in Hinblick auf die genetische Anlage ist, dass unser Immunsystem sich als kommunikationsfähiges Sinnessystem herausgestellt hat, das in permanentem Austausch mit der Umgebung steht. Mit dieser organischen Antenne

können wir den Wald betreten und sogar die Funksprüche der Pflanzen auffangen. Denn Pflanzen kommunizieren miteinander. Das hat nichts mit Esoterik zu tun, sondern ist knallharte Wissenschaft

Wie funktioniert diese Kommunikation?

Die Kommunikation läuft nicht über Sprache, sondern über chemische Substanzen. Diese Kommunikationsmoleküle gehören in die Gruppe der Terpene. Mit Terpenen können Pflanzen sich gegenseitig vor Angreifern warnen, sich darüber informieren, welche Schädlinge angreifen und wie groß diese Schädlingsarmee ist, damit die anderen Pflanzen ihr Immunsystem hochfahren. Und sie können sogar nützliche Insekten herbeirufen.
(Quelle: https://www.wienerzeitung.at/dossiers/wald/767697_Medizin-Wald.html)